From Die Geschichte des Flugplatz Gütersloh

Artikel: Good Bye, 1 Regiment AAC!

Good Bye, 1 Regiment AAC!

Das Ende einer Ära!

Wie so viele Luftwaffenbasen zuvor hat das Ende nun auch den Flugplatz Gütersloh erreicht, das Army Air Corps flog am 4. Oktober 2013 mit den letzten drei Lynx AH7 in den Händen der Piloten der 661Sqn ab. Wenige Tage vorher wurde der Fliegerhorst Jever geschlossen, weitere Basen wie Roth, Kaufbeuren, Erding, Rheine-Bentlage werden kurzfristig, andere wie Hohn oder Penzing mittelfristig geschlossen. Weitere Militärflugplätze werden sicher folgen.

Der Lynx AH7 XZ609 kam nur eine halbe Stunde nach dem letzten Start mit einem Defekt zurück und konnte erst am 8. Oktober erfolgreich die britische Insel erreichen. Die Rückkehr der defekten Maschine konnte aber nicht darüber hinweg täuschen, dass sich nach nunmehr 48 Jahren als RAF-Basis und 20 Jahren als AAC-Flugplatz die Zeit der Briten in Ostwestfalen dem Ende nähert. Über 150.000 Gastflugzeuge und -hubschrauber der verschiedensten Typen konnten hier beobachtet werden und es gibt nur wenige Muster, die nicht wenigstens einmal die Basis angeflogen haben.

Wer hätte gedacht, dass das 1Regiment, als es im Juni 1993 aus Hildesheim nach Gütersloh verlegte, über 20 Jahre bleibt? Von den anfänglich 36 Gazelle und Lynx blieb im Laufe der Jahre nur noch eine vergleichsweise kümmerliche Zahl von acht, später vier und zum Abflugdatum lediglich drei Hubschrauber übrig.

Wir wünschen dem Regiment in seiner neuen Heimat, sei es zunächst Dishforth und später Yeovilton und mit der neuen Lynx Wildcat alles Gute und - Hals- und Beinbruch!

Und an die 661Sqn als letzte auf dem Kontinent stationierte Squadron der Briten geht der Wunsch, nicht allzu sehr nach dem Motto der Staffel zu verfahren:

"Designe oculis ad caedem" oder "With my eyes I designate (the victim) for the slaughter."

Marcus Herbote, Oktober 2013

Fotos

© Crown Copyright | Photo: Staff Sergeant Mark Nesbit RLC unid. Lynx AH7 1Regt, Gütersloh (04.10.2013) Ein normaler letzter Check könnte man sagen. Tatsächlich ist es die letzte von vielen Zig-Tausend Kontrollen einer britischen Crew eines in Deutschland stationierten britischen Militärluftfahrzeugs nach 58 Jahren - für alle Zeiten!

XZ617/R

Foto torstenn./CC BY-NC-ND 3.0 Abflug der letzten Lynx des 1Rgt Gütersloh (04.10.2013) Unter der vom letzten Einsatz zurück kehrenden landenden XZ617/R erkennt man die Grasbüschel auf der Bahn. Die Army hat diese leider nicht in dem Zustand überlassen, wie sie 20 Jahre zuvor von der RAF übernommen wurde.

© Wolfgang Greweling XZ617/R Lynx AH7 1Rgt, Gütersloh (04.10.2013) Nach seinem unplanmäßigen Aufenthalt in den Niederlanden flog dieser Lynx am 09.10.2013 weiter nach England. Allerdings war sein Ziel nicht Dishforth, sondern das Zentrum allen AAC-Fliegens, Middle Wallop.

© Mario Nowak XZ617/R Lynx AH7 1Rgt, Gütersloh (04.10.2013) Gegen 10 Uhr flog der XZ617/R, der immer noch den Code seiner alten Squadron, der 657Sqn, trägt, noch eine vierundfünfzigminütige Mission Richtung Bielefeld. Rechtzeitig zum geplanten Start der Formation war die Maschine wieder auf der Basis und wurde betankt - hotrefuelled!

© Mario Nowak XZ617/R Lynx AH7 1Rgt, Gütersloh (04.10.2013) Mit laufenden Rotoren wurden die Lynx häufig in Gütersloh betankt, gleichzeitig fand zwischen zwei Einsätzen auch ein Crew-Wechsel statt. Das letzte derartige Manöver wurde auch diesmal von mindestens einem Feuerwehrwagen beobachtet.

XZ653

© Mario Nowak XZ653 Lynx AH7 1Rgt, Gütersloh (04.10.2013) Lediglich der XZ653 schaffte am 4. Oktober den Weg über Holland nach Dishforth in North Yorkshire. Der XZ617/R mit dem Staffelchef der 661Sqn, schaffte es wegen technischer Probleme nur bis Woensdrecht, der XZ609 mit dem stellvertretenen Chef musste bereits südlich von Münster umkehren und landete gegen 11.45 Uhr wieder in Gütersloh. Am 8. Oktober konnte er dann den Weg auf die Insel antreten.

© Mario Nowak XZ653 Lynx AH7 1Rgt, Gütersloh (04.10.2013) Der Abflug der drei Lynx stand scheinbar unter keinem guten Stern. Schon vor dem Start gab es einige Probleme, mehrere Techniker liefen zwischen den drei Hubschraubern hin und her. Sie sollten Recht behalten, zwei Lynx erreichten am 4.10. ihr Ziel nicht.

© Wolfgang Greweling XZ653 Lynx AH7 1Rgt, Gütersloh (04.10.2013) Erst gegen 18.15 Uhr am 04.10.2013 ist der XZ653 in seiner neuen Heimat North Yorkshire angekommen. Der Abflug fand einige Minuten zu spät in Gütersloh statt, hauptsächlich wurde die Verspätung aber durch die zwei Stunden unplanmäßigen Aufenthalts in Woensdrecht verursacht, als der der XZ617/R u/s ging.

© Mario Nowak XZ653 und XZ617/R Lynx AH7 1Rgt, Gütersloh (04.10.2013) Um 11.08 Uhr verließ die Dreier-Formation den Flugplatz und nahm Kurs auf die britische Insel. Nur ein Drittel der Lynx-Formation machte tatsächlich den Flug komplett. Der XZ617/R blieb defekt in Woensdrecht stehen und flog erst am 09.10.2013 weiter.

© Mario Nowak XZ653 und XZ617/R Lynx AH7 1Rgt, Gütersloh (04.10.2013) Zwei der abfliegenden Lynx wurden häufig fotografiert, die XZ609 mit dem stellvertretendem Staffelchef dagegen zog gleich nach hinten weg und konnte nicht abgelichtet werden.

© Wolfgang Greweling XZ653 und XZ617/R Lynx AH7 1Rgt, Gütersloh (04.10.2013) Das Sammeln der drei Lynx fand wie gewöhnlich über der Startbahn statt, die Abflugrichtung war aufgrund des Ostwinds Richtung Stadt.

© Mario Nowak XZ653 und XZ617/R Lynx AH7 1Rgt, Gütersloh (04.10.2013) Der Staffel-Chef der 661Sqn in der XZ617/R sollte die letzten drei Lynx AH7 von Gütersloh nach England führen - bekanntermaßen mit einigen Hindernissen! Auch wenn nur ein Hubschrauber, war die Lynx doch viele Jahre ein echter Cold-War-Warrior und hätte an vorderster Front zusammen mit den AH-1 der US Army und den Bo-105P der deutschen Heeresflieger die anrückenden Panzerverbände des Warschauer Paktes bekämpft.

Formation

Foto torstenn./CC BY-NC-ND 3.0 Abflug der letzten Lynx des 1Rgt Gütersloh (04.10.2013) Mit dem Tower, der Feuerwehr und Hangar 6 im Hintergrund ziehen die drei Lynx wenige Sekunden nach dem Abheben noch einmal über die Basis.

© Wolfgang Greweling XZ617/R, XZ609 und XZ653 Lynx AH7 1Rgt, Gütersloh (04.10.2013) Nach einer Abschiedsrunde nahm die Formation Kurs auf die niederländische Basis Woensdrecht. Dort kamen zur zwei der Hubschrauber an, die XZ609 stand bereits wieder in Gütersloh. Im Hintergrund sieht man den alten Harrier-Triebwerksprüfstand.

Foto torstenn./CC BY-NC-ND 3.0 Abflug der letzten Lynx des 1Rgt Gütersloh (04.10.2013) Kaum sind die drei Lynx der 661Sqn in der letzten Platzrunde, da warten bereits die neuen zukünftigen Hausherren von Hangar 1 - ein Rudel LKW!

© Mario Nowak XZ617/R, XZ609 und XZ653 Lynx AH7 1Rgt, Gütersloh (04.10.2013) Angeführt vom Staffelchef der 661Sqn, der letzten britischen Squadron auf deutschem Boden, fliegen die drei letzten Lynx eine Abschiedsrunde an Hangar 1 vorbei. Der Hangar war 20 Jahre die Heimat des 1Regiments AAC und wird in Zukunft LKW beheimaten. Hier verabschiedet sich scheinbar auch die heimische Vogelwelt von ihren großen Brüdern!

Foto torstenn./CC BY-NC-ND 3.0 Abflug der letzten Lynx des 1Rgt Gütersloh (04.10.2013) Ende einer Ära! Die Gütersloher Spotter sehen der Formation wehmütig nach. Die Brücke als Standort der Spotter stammt aus den frühen fünfziger Jahren.

© Crown Copyright | Photo: Staff Sergeant Mark Nesbit RLC XZ617/R, XZ609 und XZ653 Lynx AH7 1Regt, Gütersloh (04.10.2013) Nicht nur die Soldaten sondern auch der markante Gütersloher Tower scheint die letzten britischen Luftfahrzeuge auf deutschem Boden hier zu verabschieden. Bis auf die später aufgesetzte Glaskuppel, war dieser Kontrollturm aus dem Jahr 1936/37 in seiner Grundsubstanz sicher einer der ältesten aktiven auf einem Militärflugplatz in Deutschland - wenn nicht gar der älteste!

Foto torstenn./CC BY-NC-ND 3.0 Abflug der letzten Lynx des 1Rgt Gütersloh (04.10.2013) Die Ems, seit jeher in enger Verbindung mit dem Flugplatz Gütersloh, wird ein letztes Mal von der Formation überflogen. Schließlich war dieser Fluss es, der die Größe der Basis immer begrenzte, oft zum Missfallen der Briten, die sich gerne eine längere Landebahn gewünscht hätten.

Foto torstenn./CC BY-NC-ND 3.0 Abflug der letzten Lynx des 1Rgt Gütersloh (04.10.2013) "The Westland Lynx in the twilight of the years..." In wenigen Jahren wird die Version endgültig ausgemustert, die AH9A und Lynx Wildcat AH1 bleiben.

Foto torstenn./CC BY-NC-ND 3.0 Abflug der letzten Lynx des 1Rgt Gütersloh (04.10.2013) Das letzte Foto von drei Lynx im Gütersloher Luftraum zeigt die Hubschrauber, wie sich die Formation langsam auseinander zieht und die Piloten auf Reisegeschwindigkeit beschleunigen.

Video

Links

Abschiedsevent 2. Oktober 2013

© Johannes Herrmann ETUO, Gütersloh (02.10.2013) Ein letztes Mal stehen Gasthubschrauber auf der großen Platte sowie auf der schmalen "Charlie-Platte". Die 18Sqn der RAF nutzte die größere für das Abstellen ihrer Chinooks, die schmale Rampe diente für Start und Landung.

© Marc Tecklenborg 82+03 AS.532U-2 3/FBS Gütersloh (02.10.2013) Leider blieb die große Abschiedsparty in Gütersloh aus, die Division in Herford hatte eine Veranstaltung mit ca. 20 Hubschraubern nicht genehmigt. Zusagen einer belgischen Sea King und von Fassberger NH.90 lagen schon vor. So blieb nur das kleine Abschieds-Kaffee am 02.10., mit vier deutschen Hubschraubern.

© Axel Saal 82+61 EC.135T1 HFWS, Gütersloh (02.10.2013) Die Heeresfliegerwaffenschule, seit jeher in Bückeburg/Achum stationiert, soll in absehbarer Zeit in ein internationales Ausbildungszentrum umgewandelt werden. Was das für die Stationierung der Hubschrauber bedeuten wird, ist noch nicht bekannt.

© Johannes Herrmann 82+65 EC.135T1 HFWS, Gütersloh (02.10.2013) Einen besseren Überblick über die letzten Besucher Güterslohs zu AAC-Zeiten hatte niemand als die gerade zur Landung ansetzende Besatzung des D-HARE der Bundespolizei.

© Dieter Lohmeyer 88+09 Bo-105P KHRgt 36 Gütersloh (02.10.2013) Im Gegensatz zum Kampfhubschrauberregiment 26 in Roth, dass Ende Oktober 2013 seinen Flugbetrieb einstellt und Ende Juni 2014 aufgelöst wird, wird der Fritzlarer Verband überleben. 32 Tiger UHT werden die Sollstärke des Regiments bilden. In den letzten 33 Jahren waren die Heeres Bo-105 regelmäßige Gäste, bei Landungen und Überflügen.

© Marc Tecklenborg ZZ408 Wildcat AH1 WFT (A) Gütersloh (02.10.2013) Nach einem Tag Ruhe führte die Besatzung des Lynx Wildcat einige Rundflüge durch und machte sich dann gegen 13 Uhr zurück auf den Weg nach Großbritannien. Damit war der letzte britische Gast auch ein Teil der Geschichte des Gütersloher Flugplatzes!

© Johannes Herrmann D-HARE EC.120B Luftfahrerschule/Bundespolizei, Gütersloh (02.10.2013) Die Luftfahrerschule bildet die zukünftigen Luftfahrzeugführer der Landes- und Bundespolizeien aus und ist in Bonn-Hangelar stationiert. Vor dem EC.120 nutzte man die bewährte Alouette II für diese Aufgabe.

© Marc Tecklenborg D-HSHB EC.120B Luftfahrerschule/Bundespolizei Gütersloh (02.10.2013) Als einmotoriger Leichthubschrauber gilt der 511 WPS starke und mit einer Turboméca Arrius 2F Turbine ausgerüstete Hubschrauber, der von der Bundespolizei hauptsächlich zur Schulung eingesetzt wird. Er wiegt maximal 1,8 Tonnen und erreicht bis zu 279 km/h.

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