From Die Geschichte des Flugplatz Gütersloh

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The Good Old Bridge Is Gone

Ein Nachruf auf die Spotter-Brücke von Marcus Herbote

The Old Bridge

Foto torstenn./CC BY-NC-ND 3.0 The Old Bridge, Gütersloh (ca. 1990) Für Generationen von Gütersloher Spottern, interessierten Anwohnern aus dem Umland und Besuchern von anderen Basen war und ist die alte Crash-Gate-2-Brücke das Synonym für einen tollen Fotoplatz!

In den vielen Jahren des Abschieds war es nur eine Frage der Zeit, bis es wieder einen neuen geben musste. Heute wurde nach 64 Jahren treuen Diensten „unsere“ alte Spotter-Brücke am Flugplatz Gütersloh abgerissen.

In den letzten sechs Jahrzehnten war sie als Stahlbrücke mit ihren Holzbrettern bei Wind und Wetter praktisch der Wächter unserer Basis. Und sie war seit jeher immer der Anlaufpunkt für unser tägliches Spotten.

Wohl alle Gütersloher Spotter und auch Luftfahrtbegeisterte von außerhalb kannten und mochten sie und fanden die alte Brücke an dieser Stelle unersetzbar. Und dann befand man sich noch inmitten der schönsten Natur! Nicht nur einmal konnte man den seltenen Eisvogel beobachten oder gelbe Seerosen und Schwertlilien (Iris) sehen.

© Christian Hölscher Spotter-Brücke, Gütersloh (Sommer 2014) Kurz vor der Verschrottung steht die Stahlbrücke wie eh und je an alter Stelle. Die Natur hat sich viele Bereiche in ihrer Umgebung bereits vollständig zurück geholt. Sicher wird es auch mit dem alten Standplatz der Brücke in einigen Jahren passiert sein.

Und sie war einzigartig, es gab und gibt doch keinen anderen Militärflugplatz, der über eine derartige Spotter-Platzform verfügte. Und was ist schon ein Spotterhügel?!

Bei starkem Regen oder kurzen heftigen Schauern war sie stets unser Regenschirm, bei großer Hitze, wie etwa in den Sommern 1982 und 1983, war sie unser Sonnenschutz. Man kann es sich kaum vorstellen: Bei 35 Grad suchten wir Schutz unter der Brücke, obwohl oben gerade die Fighter landeten und starteten! Wir sprangen sogar von ihr in den Fluss, um uns beim Schwimmen abzukühlen.

Ja, wir haben sogar auf der Stahlbrücke übernachtet, in Schlafsäcken lagen wir manchmal direkt auf den Brettern. Bretter, die für uns als Jugendliche damals irgendwie die Welt bedeuteten. An sonnigen Tagen und bei Ostwind lag ein Alu- Koffer neben dem nächsten – manchmal waren es sicher über 20!

Tausende von Fußgängern und Fahrradfahrern nutzten sie auf ihren täglichen Gängen und Fahrten als Überquerungshilfe für die Ems – auch während ihrer typischen Sonntagsspaziergänge. Ein Blick in den Gütersloher Flugbetrieb war da immer ein zusätzliches Bonbon. Und auch die RAF nutzte sie zuweilen für Überfahrten des RAF Regiments, der PSA, der Feuerwehr und verschiedener Bodentruppen. Einer von uns rief dann immer: „Brücke räumen, Koffer weg!“

Besonders die jungen Spotter ohne Fotoausrüstung konnten bei seltenen Gastflugzeugen schon mal begeistert auf und ab springen, so dass die Brücke mehr oder weniger stark schwankte! Von den im dem Moment Fotografierenden kamen umgehend wütende Beschimpfungen!

Unsere Eltern sagten häufig, besser sie treffen sich dort, als irgendeinen Blödsinn zu machen. Nun, das hat uns sicher nicht davon abgehalten … So wurden diverse Fahrräder, Fahrradkörbe und Flaschen versenkt oder kleine wie große Steine in die Ems geworfen. Das passierte meistens an Tagen, wo der Flugbetrieb zu wünschen übrig ließ.

© HaPe Merschbrock Die alte Brücke, Gütersloh (02.10.2013) Knapp ein Jahr später war auch dieses Bild Geschichte, die Brücke wurde am 16.09.2014 abgerissen.

Einigen von uns sind sogar diverse Ferngläser, Autoschlüssel und das gute alte BAR von der Brücke in die Ems gefallen oder gefallen worden!

Diese Brücke war unser täglicher Rückzugsort, unser Treffpunkt, unser Aussichtspunkt direkt oberhalb der Ems. Die älteren Spotter haben wir dort kennengelernt. Sie haben uns das Nummernaufschreiben und das Fotografieren beigebracht. Wir konnten auf den Stahlträgern sitzen, liegen und – für bessere Fotos- sogar auf ihr stehen. Manchmal konnte sogar im Sommer Holunder durch ihre Stahlträger wachsen und bot uns so zusätzlichen Schutz vor der Sonne.

Abriss der Spotter Brücke

© Andreas Brinkmann Spotter-Brücke, Gütersloh (16.09.2014) Hier sieht man die traurigen Überreste der Spotterbrücke. Rund 64 Jahre war das Bauwerk der Emsübergang von und zum Crashgate 2 der Basis. Bereits in den fünfziger Jahren waren Luftfahrtenthusiasten aus allen Bereichen der Gesellschaft regelmäßige Besucher der Brücke, stand man doch hier einige Meter höher als unterhalb des Zaunes und am Flussufer. Ihren Höhenpunkt erreichte sie mit ca. 30 bis 40 gleichzeitigen Spotter-Besuchern Anfang der 80er Jahre bis Anfang der 90er Jahre.

Sie wurde mit Eddings bemalt und beschrieben, hunderte Flugzeugnummern, Zeichnungen und Mitteilungen für spätere Besucher fanden im Laufe der Zeit Platz darauf, auch wenn diese nach einigen Jahren durch die Kraft der Sonne und des Regens verschwanden. Auch wenn sie vielleicht nur ein lebloses Bauwerk war – wir alle haben auf ihr, an ihr und neben ihr die Flugzeug-Fotografie und das Spotten erlernt. Und nun ist sie auf Nimmerwiedersehen verschwunden.

Nur selten war die Formulierung, dass man eine hinterlassene Lücke nicht einfach so schließen könne, derart wörtlich zu nehmen...

Gütersloh, den 16.09.2014

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