From Die Geschichte des Flugplatz Gütersloh

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RAF Gütersloh in Zahlen, Daten, Fakten

Autor: Marcus Herbote

Motto der RAF-Basis

"„Vallis Vesperis“", das heißt „"On Western Ramparts"“ oder "„Dem Westen ein Schutzwall“"

Alliierter Flugplatzcode in der Nachkriegszeit

Y99

Runway:
Nutzbare Länge: 2.252 m

zusätzlich:

Overrun-Länge auf der 09 (Ostteil der Start- und Landebahn): 267 m
Overrun-Länge auf der 27 (Westteil der Start- und Landebahn): 244 m (kürzer wegen der Ems)

Gesamtlänge der Start- und Landebahn incl. Overruns: 2.763 m

Breite der Bahn: 45,70 m

© RAF Gütersloh Crash Map 1989 - Download der Karte als PDF

Warum hatte RAF Gütersloh so viele Gastmaschinen, bzw. wurde so stark von den Maschinen der NATO-Partner angeflogen?

Hauptgründe:
1. unmittelbare Nähe zu den Tieffluggebieten im Sauerland, Weserbergland und Münsterland
2. Hauptversorgungsarm der British Army of the Rhine
3. Belegung mit jeweils zwei Jet- und zwei Hubschrauberstaffeln brachte auch entsprechende Maschinen der NATO-Partner nach Gütersloh
4. ein großes Cross-Servicing-Team stand zur Verfügung, dieses konnte alle Flugzeugtypen abfertigen
5. Öffnungszeiten von 5.30 Uhr zulu bis 23.00 Uhr zulu in der Woche und 06.00 Uhr bis 18.00 Uhr an Wochenenden und Feiertagen
6. einer der nächsten NATO-Flugplätze zur DDR-Grenze
7. NAAFI-Shop als günstige Einkaufsmöglichkeit vorhanden, auch für NATO-Partner
8. relative Nähe zu den stark angeflogenen Schießplätzen in Nordhorn und Senne

Weitere Gründe:
1. relativ abgelegene Lage ohne andere große Militärflugplätze in der Nähe
2. Harrier der 3. und 4.Sqn. waren gerngesehene DACT-Gegner
3. 230.Sqn. war eine Tiger-Staffel der NATO
4. 4.Sqn. hatte als Zweitaufgabe die taktische Aufklärung, daher standen Möglichkeiten zum Entwickeln von Filmen auch den anderen NATO-Partnern zur Verfügung

5. Gütersloh war „Master Diversion Airfield“ mit Fangnetz und Fangseil und hoher Feuerabdeckung (Cat.)

Fakten:
Von allen in Deutschland gelegenen Fighter-Basen hatte Gütersloh mit 2.252 nutzbaren Metern die zweitkürzeste (!) Start- und Landebahn, nur die in Oldenburg war mit gut 2.050 Metern noch kürzer. Gleichzeitig hinderte dies Gütersloh nicht daran, zu einem der aktivsten Militärflugplätze zu werden, mit den meisten Flugbewegungen.

Auf keinem anderen Royal Air Force Flugplatz weltweit (!) waren länger am Stück Einsatzstaffeln mit Hawker Hunter stationiert und zwar von 1958 bis 1971.

Trotz seiner ca. 2400 Gastflugzeuge (inkl. Hubschrauber) pro Jahr und seiner beiden sehr aktiven Harrier-Staffeln wurde die Asphaltdecke der Start- und Landebahn zum letzten Mal bereits im Jahr 1978 erneuert, ganze 15 Jahre vor der Schließung des Flugplatzes als RAF-Basis.

Allein im Jahr 1973 wurden 4.230 Gastflugzeuge betankt und gewartet. In dem Jahr flogen Transporter und Airliner mehr als 186.000 Passagiere und über 3,7 Millionen kg Fracht von und nach Gütersloh.

Im Jahr 1958 erhielt RAF Gütersloh eine Fangnetzanlage (Safeland-Barrier) an beiden Enden der Start- und Landebahn. Diese wurde dann von der ansässigen 79.Sqn. mit Swift FR.5 auch regelmäßig in Anspruch genommen. An einem Tag mit sehr schlechtem Wetter sollte die ganze in der Luft befindliche Staffel schnellmöglich landen und kurzerhand fanden sich in beiden Fangnetzen aufgrund von Aquaplaning Swift in den Netzen, die letztere war gar mit Rückenwind über das bereits belegte Fangnetz mit der ersten Maschine angeflogen! Dasselbe passierte während eines Nachtfluges den ansässigen Hunter, und als letzter musste ein Pilot der 26Sqn notlanden, obwohl in beiden Netzen bereits eine Hunter stand!

Der längste Flug einer nicht in der Luft betankten Lightning fand von RAF Gütersloh aus statt und dauerte 1 Stunde und 58 Minuten. Die F.2A flog während einer Trainings-Battle Flight Patrouillen an der innerdeutschen Grenze in 30.000 Fuß Höhe mit Mach 0,7. Der Pilot hatte ein Triebwerk auf Leerlauf und das andere bei 96% und konnte so wertvollen Treibstoff sparen.

Die höchste bekannte Notfallhäufigkeit wies eine einzige Lightning F.2A während eines Trainingsfluges auf. Nach einer Feuerwarnung im Nachbrenner fiel kurze Zeit später eine Turbine aus. Bald danach kam es zu einem völligen Funkgeräteausfall.

Die größte Formation einer einzigen Lightning-Squadron brachte die 19.Sqn. am 13. Juli 1971 zustande. Alle 16 Maschinen der Einheit, 13 F.2A, zwei F.2 und eine T.4 waren einsatzbereit und nahmen daran teil.

Der letzte Einsatz einer Lightning F.2 fand am 22. Mai 1974 statt. Es war die nicht zur F.2A umgerüstete XN794/W, ein „Squadron Hack“, die Wing Commander Vangucci am 22. Mai 1974 letztmalig in die Luft brachte.

Flugbewegungen in EDUO von 1983 bis 1992

1983 50.996
1984 49.994
1985 50.241
1986 58.369
1987 50.344
1988 50.511
1989 47.843
1990 44.720
1991 32.733
1992 30.292

Die häufigsten Flugbewegungen gab es im April 1986 mit 6.633, das entspricht etwa 221 Flügen am Tag. Im Durchschnitt waren es ca. 4.000 im Monat.

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