From Die Geschichte des Flugplatz Gütersloh

Squadrons: Die Brücke zur Freiheit

Die Brücke zur Freiheit

Die Geschichte der Berlin Corridor Contingency Plans

Autor: Marcus Herbote

© Wilfried Zetsche Allied Formation, Gütersloh (Mai 1976) Zu Lightning-Zeiten kamen nur die Franzosen und US-Amerikaner von außerhalb, die Lightnings der 19 und 92Sqn nahmen als britischer Beitrag teil. Angeführt wird diese seltene Formation von einem Victor K1 oder K1A.

Codename Jack Pine

Nach Ende der Berliner Luftbrücke 1949 war den westlichen Alliierten klar, dass es in Zukunft einen Notfallplan für die Millionenstadt Berlin geben müsse, wollte man sie bei einer Belagerung nicht an den Warschauer Pakt verlieren. Die besondere Bedeutung und Wichtigkeit eines entsprechenden Plans wurde nach dem Bau der Mauer im August 1961 noch erheblich verstärkt.

So gründeten Briten, US-Amerikaner und Franzosen am 4. April 1959 ein gemeinsames Hauptquartier, das sie „Live Oak“ nannten. Als Standort hatte man den Ort Saint-Germain-en-Laye 32 km südwestlich von Paris bestimmt. Im Oktober 1960 folgte eine Verlegung ins HQ SHAPE in Fontainebleau. Aktiv blieb das Hauptquartier bis zum Ende des kalten Krieges, aber nach dem Austritt der Franzosen aus der NATO erfolgte eine erneute Verlegung, diesmal in das NATO HQ ins belgische Mons.

Sämtliche Luftoperationen wurden durch eine Unterabteilung von „Live Oak“, mit dem Codename „Jack Pine“, kontrolliert. Dieses lag, wie sollte es anders sein, in der Nähe des USAFE Hauptquartiers in Kinsbach bei Ramstein.

Die drei Alliierten erstellten daraufhin die so genannten Berlin Corridor Contingency Plans. Durch die vertragliche Fixierung sollte den Sowjets und der DDR-Führung unmissverständlich klar gemacht werden, dass die Westalliierten in jedem Fall und notfalls unter Waffengewalt, den unbeschränkten Zugang in den Westteil Berlins sicherstellen würden. In dem Fall, dass es zum Abschuss einer Maschine in einem der drei Berlinkorridore durch den Warschauer Pakt kommen sollte, würde das unweigerlich den Beginn taktischer Luftoperationen durch die Westalliierten nach sich ziehen. Dazu hatte jede der drei Luftwaffen Jagdflugzeuge zu stellen, die die Unversehrtheit der zivilen und militärischen Korridor-Benutzer sicherstellen sollten.

Die Royal Air Force stellte anfangs nicht weniger als 16 Javelin FAW.8 des RAF Fighter Command sowie die komplette 14.Sqn. mit Hunter F.6 vom Standort Gütersloh zur Verfügung. Die Javelin hätten dazu von Großbritannien auf die Basis Celle verlegt, damals bereits eine Basis der neuen deutschen Luftwaffe. Dazu kamen verschiedene RAF-Transportmaschinen. Die USAFE hätte nicht weniger als 25 North American F-100 Super Sabre für diese Operationen bereit gehalten. Zusätzlich zu den Staffeln stellte die RAF Germany die notwendigen Funk-, Kommunikations- und Radareinheiten zur Verfügung. Der Erstfall hätte den teilweisen Ersatz der zivilen Linienmaschinen durch militärische Transporter vorgesehen. So kam es in diesem Zusammenhang sogar zu Trainingsflügen von RAF-Besatzungen auf Vickers Viscount der BEA auf dem Weg von Düsseldorf nach Berlin.

Im Rahmen von „Operation Yorkley“ sahen die Pläne der britischen Royal Air Force anfangs drei Phasen zur Überwindung einer Blockade der Korridore vor:

Die Amerikaner sollten ihre Transporter zwischen Frankfurt, später Wunstorf und Tempelhof, die Franzosen zwischen Fuhlsbüttel und Tegel operieren lassen. Die Pläne der Briten sahen vor, mit Bristol Britannia und Vickers Viscount zwischen Hannover und Tempelhof sowie mit Blackburn Beverly zwischen Celle und Gatow zu fliegen.

In Zeiten ohne besondere Spannungen hatten die Battle Flight's der RAF Germany die Aufgabe, jederzeit Maschinen bereit zu halten. So war eine Hawker Hunter F6 der 14Sqn in Gütersloh während des Tages in Fünf-Minuten-Bereitschaft, zwei weitere sollten innerhalb von 30 Minuten in der Luft sein. In der Nacht und bei schlechtem Wetter übernahmen die Javelin-Einheiten in RAF Geilenkirchen diese Aufgabe.

Operation Vintage

Am 14. September 1961 kam es schließlich zur ersten Mobilisierung im Rahmen der „Operation Vintage“, ein weiteres Mal wurde das „Jack Pine“ HQ am 8. Februar 1962 mobilisiert. Letzteres geschah, nachdem die Sowjets versucht hatten, den Luftverkehr in den Berlin-Korridoren zu beschränken. Die RAF setzte daraufhin vier Beverly und später vier Hastings für Flüge nach Berlin ein. Gleichzeitig wurde die aus Großbritannien nach Geilenkirchen verlegte 33.Sqn. mit Javelin FAW9 in 15-Minuten-Bereitschaft versetzt, die Hawker Hunter der Gütersloher 14Sqn wurde komplett in Alarmbereitschaft versetzt. Nach Ende der Spannungen, die zwischen Westalliierten und Sowjets zu dieser Zeit fast an der Tagesordnung waren, beendete man die Mobilisierung und kehrte zur normalen Bereitschaft zurück.

Quicksand

Den Alliierten war bewusst, dass dem Zusammenspiel der drei Luftwaffen besondere Beachtung geschenkt werden müsse. So wurde schließlich nach weiteren Gesprächen der Alliierten im Rahmen der „Jack Pine“ Prozeduren die Übung „Quicksand“ ins Leben gerufen. Der Beginn der Berlin-Korridor-Übungen war gemacht!

„Quicksand I“ fand vom 3. bis 7. Juli 1962 unter anderem mit acht Javelin FAW8 der No 85 Squadron statt. Die Maschinen aus RAF West Raynham konnten wegen erneuter Bahnreparaturen in Gütersloh jedoch nicht von dort operieren, sie flogen von Laarbruch aus. Gütersloh, als nächstgelegene RAF-Basis zur innerdeutschen Grenze und nächster Nähe zu den Berlin-Korridoren, war ein logischer Standort für einen Teil der an den jährlichen Übungen teilnehmenden Maschinen.

Eine weitere Korridor-Übung fand bereits im November 1962 statt. Einige Piloten der teilnehmenden Hunter FR10 Squadrons nutzten die Gelegenheit, im zweiten Sitz des Trainers der USAFE F-100F mitzufliegen.

Vom 25. bis 28. Februar 1963 fand „Quicksand II“ statt. Javelin der 5 und 11Sqn flogen von RAF Celle aus, mehrere Hunter aus RAF Odiham lagen in Gütersloh.

Noch im selben Jahr lief die Übung „Quicksand III“ mit etwas größerer Beteiligung ab. So waren vom 18. bis 21. Juni neben 16 französischen Mirage IIIE auch drei Hunter aus Odiham, drei Javelin aus Geilenkirchen und eine Comet C2 vertreten.

Im Februar 1964 fand schließlich Quicksand IV statt. Die Franzosen stellten wie die USAFE jeweils Einheiten mit der Mirage IIIE bzw. F-100D Super Sabre. Die RAF nahm mit Hunter FGA9 der 54Sqn und FR10 der 2Sqn teil.

Gopherwood

Im Jahr 1965 flogen vom 5. bis 11. April 1965 im Rahmen von „Gopherwood“ fünf französische Mirage IIIE, zwei RAF Argosy C1 und die Battle Flight aus Geilenkirchen von Gütersloh aus. Sechs weitere Javelin operierten von Celle aus. Während dieser Übung wurden die Argosy regelmäßig von sowjetischen Jagdflugzeugen beim Durchflug der Korridore attackiert! Die Piloten der alliierten Jagdflugzeuge wurden aber nicht alarmiert, wohl um die Situation nicht eskalieren zu lassen, doch sie saßen während jedes Fluges einer Argosy durch die Korridore angeschnallt in den Cockpits ihrer Maschinen - in Fünfminuten-Bereitschaft! Die Aktionen der Russen gipfelten in verschiedenen Verletzungen des Berliner Luftraums und der Flugplatz-Kontrollzonen und es fanden sogar Überschallflüge über der Stadt durch sowjetische Jäger statt! Formationsflüge über Westberlin und das gleichzeitige Abfeuern von Übungsmunition folgten als gefährlicher Höhepunkt der sowjetischen Handlungen.

Archiv H. Franke 474/13-QL Mirage IIIE EC 1/13, Gütersloh (Mai 1973) - Die silbernen Zusatztanks stammen noch aus einer Zeit, als die komplette Maschine im "Natural Metal Finish" lackiert war. In dieser farbenfrohen Zeit war auch noch das Seitenruder in französischen Farben bemalt.

______________________________________________________

Bold Encounter

Mindestens einmal im Jahr fanden nun die Korridor-Übungen statt, hauptsächlich, um das reibungslose Zusammenspiel zwischen Briten, US-Amerikanern und Franzosen zu trainieren. Teilweise flogen an die 50 Maschinen von verschiedenen Basen aus. Hauptstützpunkt war nun fast ausnahmslos die RAF-Basis Gütersloh.

Die Teilnehmer der späten sechziger sowie der frühen siebziger sind leider nicht bekannt, es dürfte sich dabei aber meistens um etwa dieselben Einheiten gehandelt haben.

Im Jahr 1973 waren auf jeden Fall Mirage IIIE der EC 1/13 aus Colmar-Meyenheim vertreten sowie F-4E der USAFE. Die RAF stellte mehrere Gütersloher Lightnings für die Übung ab.

Archiv H. Franke 67-260/BT F-4E 36TFW, Gütersloh (Mai 1974) Aktive Teilnehmer des jährlichen Manövers war immer das 36th Tactical Fighter Wing in Bitburg. Erst Anfang der 80er Jahre bekam der Verband die F-15 Eagle zugewiesen.

Archiv H. Franke 466/13-QE Mirage IIIE EC 1/13 Gütersloh (Mai 1974) Zu viert stehen die Mirage IIIE aus Colmar während der Mai-Übung "Bold Encounter" auf Bahn 09.

______________________________________________________

Bis 1976 waren die Gütersloher Lightning F2A immer ein fester Bestandteil der Übung. Ein Jahr später kamen vom 10. bis 17. Mai 1974 sechs F-4E der 36TFW und sechs Mirage IIIE der EC 1/13 von außerhalb. Die RAF steuerte mindestens sechs Lightning F2A der 19 und 92Sqn bei.

Im Folgejahr 1975 ist eine Teilnahme der Amerikaner nicht verbrieft. So gibt es lediglich Berichte über sechs Mirage IIIE und die Gütersloher Lightnings als Manöverteilnehmer. Erst am 30. Mai begann diese Korridor-Übung, sie dauerte bis zum 6. Juni. Im Jahr darauf waren erneut die gewöhnlichen Mirage IIIE und F-4E sowie die Gütersloher Lightnings Teilnehmer des Manövers.

Die Übung des Jahres 1977 fand vom 7. bis 13. Mai statt, es nahmen sechs Phantom FGR.2 der 19.Sqn. aus Wildenrath, die gewohnten sechs Mirage IIIE aus Colmar sowie lediglich fünf F-4E der 50.TFW von der Hahn AB teil. Ein Jahr später wurde ein Teil der Wildenrather Phantom erstmals durch Maschinen der in Wattisham beheimateten 56Sqn ersetzt. Die 92Sqn stellte nur zwei eigene Phantom ab. Hauptgrund dafür war die verminderte Sollstärke an Maschinen der in Deutschland stationierten Phantom FGR2-Staffeln von nur ca. zehn Flugzeugen. Durch die Teilnahme einer zweiten FGR2-Einheit sollte unter anderem die Einsatzbereitschaft der Wildenrather Battle Flight nicht beeinträchtigt werden. Die sechs Hahner F-4E und fünf Mirage der EC 1/13 komplettierten das gewohnte Bild in dem Jahr.

Ausnahmen für den Manöverstandort gab es nur einige wenige. In den Folgejahren war es aber soweit. So flogen die „Bold Encounter“-Teilnehmer vom 2. bis 8. August 1978 und vom 4. bis 11. Mai 1979 von RAF Wildenrath aus, da in Gütersloh die Startbahn verstärkt und die Rollwege verbreitert wurden. Die Basis war für normale Operationen nicht verfügbar, die Harrier und Westland Wessex der Gütersloher Einheiten operierten aber wie gewohnt von dort aus.

Zum letzten Mal kamen die F-4E aus Hahn im Jahr 1980 nach Gütersloh. Zusammen mit fünf Mirage IIIE der EC 13, zwei Phantom der 92Sqn und vier der 56Sqn verabschiedeten sie sich für alle Zeiten von „Bold Encounter“. Die zwei Hercules der RAF und USAFE und die französische Transall waren von da an in jedem Jahr dabei. Die Übung fand vom 9. bis 16. April statt und damit früher als normal.

______________________________________________________

© Günter Grondstein XV471/V Phantom FGR2 92Sqn, Gütersloh (Mai 1981) Die XV471/V trägt hier noch das grau-grüne Tarnkleid, welches ab Anfang der achtziger Jahre dann dem einheitlichen Grau weichen musste.

______________________________________________________

Bold Encounter

Erstmals im Jahr 1981 nahm die neue F-15C Eagle im Zeitraum 1. bis 8. Mai an der Korridor-Übung teil. Sechs Maschinen der 36.TFW aus Bitburg lösten damit die Hahner Phantom ab. Somit begann das Manöver sogar an einem gesetzlichen deutschen Feiertag, zu Zeiten des kalten Krieges war das nichts Ungewöhnliches! Die Franzosen kamen mit einer bunten Mischung von drei Mirage IIIE der EC 1/13 und einer der EC 3/2 aus Dijon sowie zwei Mirage 5F der EC 2/13. Auch die Briten waren dieses Mal gemischt: Drei Phantom der 92Sqn, zwei der 23Sqn und eine der 29Sqn machten das Jahr 1981 in Bezug auf die Übung besonders interessant.

© Jeff Bell Bold Encounter Kontingent, Gütersloh (Mai 1981) Während ein Gewitter über Harsewinkel zieht, stehen die Teilnehmer der jährlichen Korridor-Übung aufgereiht auf der großen Platte. Die USAFE entsandte zum ersten Mal sechs F-15 Eagle des 36TFW aus Bitburg, die damit die Phantoms aus Hahn ersetzten. Die AdA stellte vier Mirage IIIE sowie zwei Mirage 5F und die Royal Air Force war mit fünf Phantom FGR2 vertreten. Am Ende der Reihe steht die braun-grüne Hercules des MAC.

______________________________________________________

Vom 16. bis 23. April fand „Bold Encounter“ im Jahr 1982 statt. Teilnehmer waren sechs Phantom der 19 und 56Sqn aus Wildenrath und Wattisham, sechs Mirage IIIE der EC 1/13 aus Colmar-Meyenheim sowie sechs F-15C aus Bitburg. Zwei Hunter der Laarbruch Station Flight, sowie die drei Transporter vervollständigten das Bild. Die Hunter fungierten dabei als Agressoren, diese Maschinen griffen die Transportflugzeuge sowie den Geleitschutz an. Größere Formationen aller Maschinen wurden häufiger mal während der täglichen Einsätze geflogen, meistens aber in großer Höhe und in diesem Jahr letztmalig direkt über der RAF-Basis. So flogen 12 Phantom, Eagle und Mirage und ein bis zwei Hunter am 20. April nach dem Start vor dem Einsatz und am 22. April vor der Landung nach dem Einsatz eine interessante gemischte Zwölfer-Formation.

Im Jahr 1983 waren die Alliierten im Zeitraum 13. bis 20. Mai in RAF Gütersloh zur Übung „Bold Encounter“. Zusätzlich zu den jeweils sechs Phantom und F-15 Eagle der 36TFW, 525TFS kamen die Franzosen erstmals mit zwei Mirage F.1C der EC 2/12 und die Amerikaner mit zwei F-16C der 50TFW, 496TFS aus Hahn nach Gütersloh. Zwei der sechs Mirage IIIE wurden durch zwei Mirage 5F der EC 3/13 ersetzt. Die beiden Hunter waren wie die Transporter natürlich auch mit dabei.

Das Besondere im Jahr 1983 waren aber die Abschiede zum Ende der Übung durch die Teilnehmer. Die Franzosen flogen eine schöne aber einfache 4er-Formation mit ihren IIIE. Die Amerikaner setzten einen deutlichen Akzent: Nach dem Start sammelten sich die F-15 abseits der Basis. Vier der Eagle kamen daraufhin zurück und erschienen in atemberaubender Höhe hinter einem kleinen Waldstück westlich der Basis. In meinen Tagebüchern habe ich zu dazu vermerkt: „Zunächst vernahm man das typische Heulen der F-15, dieses verstummte plötzlich und die Maschinen begannen förmlich zu brüllen. Außerdem zogen sie eine gelbe flimmernde Dunstwolke hinter sich her. Alle Beobachter der Szene hielten sich geistesgegenwärtig die Ohren zu, wie sich herausstellte nicht zu spät, denn alle vier F-15 flogen mit vollem Nachbrenner! Die vier Eagle kamen im Tiefflug über die Ems, auf ein Kommando zogen die Piloten über der Startbahn an den Steuerknüppeln und alle vier Maschinen stiegen in einer wunderschönen Vierfingerformation, wie es eine offizielle Kunstflugstaffel nicht schöner hätte machen können, in den blaugrauen Frühlingshimmel. Die Luft zitterte, und der Sound der Eagle blieb noch lange in der Luft und war auch noch zu hören, als sie schon längst Kurs auf die heimatliche Basis Bitburg genommen hatten!“

© Gary Wann Bold Gauntlet, Gütersloh (April 1982) Von vorne nach hinten erkennt man folgende Maschinen: Eine C-160F der ET61, sechs Mirage IIIE der EC 1/13, sechs F-15C/D der 36TFW, sechs Phantom FGR2 der 92 und 56Sqn sowie eine USAFE C-130E des 435TFW aus Rhein-Main. Rechts vorne steht eine Hunter T7 der Laarbruch Station Flight, die während der Korridor-Übung die Formationen der anderen Maschinen attackierte!

© Wilfried Zetsche 80-021/BT F-15C 36TFW, 22TFS, Gütersloh - Absoluter Stargast bei der Übung "Bold Gauntlet" war immer die F-15 Eagle aus Bitburg. Hier landet eine Maschine nach einem der beiden täglichen Einsätze. Die Amerikaner waren besonders wegen der Nachbrennerstarts mit anschließendem 90-Grad-Steigflug beliebt! Wenn das dann auch noch ein Vierer-Verband in Folge machte, klingelte das Kleingeld im Portomonaie!

© Rainer Mueller XV482/C Phantom FGR2 56Sqn, Gütersloh (Mai 1984) Besonders im Jahr 1984 flogen die Teilnehmer der Mai-Übung auch immer wieder vor einer drohenden Gewitterkulisse!

______________________________________________________

Die vier Phantom der 56Sqn gingen schließlich im Tiefstflug mit vollem Nachbrenner jeweils einzeln steil in den Himmel und versuchten mit hohem Tempo in niedriger Höhe den Eagle zumindest ein wenig von ihrer Show zu stehlen. Diese besonderen Abschiede der Manöverteilnehmer wurden in den späteren Jahren leider erheblich weniger.

Im Folgejahr flogen wieder die üblichen Phantom, F-15 und Mirage IIIE und 5F bei der Übung. Die Mirage F.1C im Jahr 1984 wurden aber von der seltenen EC 1/10 aus Creil/Senlis gestellt. Es sollte die einzige Teilnahme der Staffel bleiben. In den fünf Tagen der Übungsdauer wurden gewöhnlich zwei Einsätze geflogen, der Morgen-Einsatz im Zeitfenster 09.30 bis 11.30 Uhr, die Nachmittagsmission von ca. 14.00 bis 16.00 Uhr.

„Bold Encounter 1985“ führte als Teilnehmer jeweils sechs Phantom der 19 und 56Sqn, sechs Mirage IIIE der EC 1/13, sechs F-15C der 36TFW, 53TFS, drei F-16C der 50TFW, 496TFS und zwei Mirage F.1C der EC 2/5 aus Orange nach Gütersloh. Die Fightning Falcon und Mirage F.1C hatten die Agressoren-Aufgabe. Dazu kamen wie in jedem Jahr die zwei Hercules und eine Transall.

Die Übung fand im Jahr 1986 vom 9. bis 16. Mai des Jahres statt. Im Gegensatz zu den voran gegangenen Jahren kamen lediglich jeweils vier Phantom der 56 und 92Sqn, Mirage IIIE der EC 1/13 und F-15C/D aus Bitburg. Zusätzlich waren drei Mirage F.1C der EC 2/12 und drei Hahn F-16A vertreten. Es zeigte sich aber, dass vier Maschinen pro Einheit zu wenig waren, denn so mussten bei zwei Starts mit je vier Maschinen immer alle einsatzbereit sein. Ein Jahr später kehrte man zu der bewährten Drei-mal-sechs-plus-zweimal-zwei-bis-drei-Aufstellung zurück!

______________________________________________________

Fünf Mirage IIIE und erstmals eine zweisitzige IIIBE, sechs Phantom der 19 und 56Sqn, sechs F-15C und D, vier Mirage F.1C der EC 2/30 und maximal fünf F-16C der 50TFW waren vom 15. bis 22. Mai 1987 neben den gängigen Transportern vertreten. Die vier F.1C mussten bereits einige Tage vor Ende der Übung zurück nach Reims fliegen. Beim Absturz einer Dreierformation bei Saint-Chamond in der Nähe von Lyon kamen am 20. Mai tragischerweise alle drei Piloten einer Schwesterstaffel der EC 30 ums Leben. Die Escadre des Chasse 1/13 war zum letzten Mal vertreten, sie sollte in den Folgejahren auf die Mirage F.1CT umrüsten und dann überwiegend in der Jagdbomberrolle im Einsatz sein. Somit waren als Teilnehmer nach wie vor lediglich Einheiten, die als Hauptaufgabe die Luftverteidigung hatten, vorgesehen.

© Thomas Westhoff-Düppmann 2x unid. Mirage F.1C EC 3/30, 3x unid. F-15C 36TFW, 22TFS, 1x unid. Phantom FGR2 56Sqn, Gütersloh (Mai 1987) Gemischte Formationen in derart unterschiedlicher Zusammenstellung waren eher selten während der Korridor-Übung. Die vier F.1C wurden bereits einige Tage vor Ende der Übung zurück nach Reims beordert. Beim Absturz einer Dreierformation bei Saint-Chamond in der Nähe von Lyon kamen am 20. Mai tragischerweise alle drei Piloten einer Escadrille der EC 30 ums Leben.

© David Phillips Bold Encounter 1987, Gütersloh (15.05.1987) Während der vom 15. bis 22. Mai 1987 stattfindenden Übung "Bold Encounter" schlängelt sich Canberra TT18 WK123/CY der 100Sqn (im alten FRADU-Anstrich) zwischen fünf 50TFW F-16C, sechs EC 13 Mirage IIIE/BE, vier EC 30 Mirage F1C, sechs 36TFW F-15C und D und weiter hinten sechs Phantom FGR2 und drei Hawk auf der einen Seite und einer Hercules C3, fünf Puma und einem Chinook auf der anderen Seite zum Staffelbereich der 3Sqn, wo sie Teil des Families Day war! Die Pumas und der Chinook waren Teil einer Vorführung für Air Marshals der RAF am Vortag. Auf der Platte der 18Sqn ganz im Hintergrund erkennt man eine weitere Hercules (XV212) und zwei Chinook der 18Sqn! Der Blick vom Tower lässt nur erahnen, was in dieser Woche an Flugbewegungen im Gütersloher Luftraum zu sehen war!

Ein besonders spektakuläres Jahr war 1988, „Bold Encounter“ fand vom 13. bis 20. Mai statt. Teilnehmer waren sechs Bitburger F-15, erstmals fünf Mirage 2000C der EC 3/2 und eine 2000B der ECT 2/2 aus Dijon/Longvic sowie zwei Phantom der 92 und vier der 56Sqn. Dazu kamen zwei Hawk T.1 der 2TWU, 151Sqn und drei Mirage F.1C der EC 3/30, insgesamt also 23 Fighter. Die RAF Hawks hatten zusammen mit den F.1 die Aufgabe, die Formationen anzugreifen.

© Wilfried Zetsche 34/2-LI Mirage 2000C EC 3/2, Gütersloh (Mai 1988) Teilnehmer bei der Korridor-Übung war von 1988 bis 1990 die EC 3/2 aus Dijon-Longvic mit ihren Mirage 2000C und jeweils einer Mirage 2000B der ECT 2/2. Im Jahr 1988 verabschiedeten sich die sechs Maschinen mit einem taktischen Start, d. h. alle Piloten zogen ihre Jets mit vollem Nachbrenner steil nach oben, um sich jenseits der Wolkendecke zu sammeln! Gleichzeitig lag ein tragischerweise tötlich verunglückter Pilot der 3Sqn nach dem Absturz seines Harrier GR3 neben dem Flugplatz auf einem Feld: Ein gefundenes Fressen für die Presse, die titelte: "Französische Piloten üben Kunstflug, während ihr britischer Kamerad tot auf dem Acker liegt!"

© Wilfried Zetsche 511/2-FH Mirage 2000B ECT 2/2, Gütersloh (Mai 1988) In den frühen Jahren flogen die französischen Mirage 2000B noch mit einer schwarzen Nase. Die "2-FH" führt hier die Flightline der 2000C der EC 3/2 an. Im Hintergrund erkennt man sechs gemischt absgestellte Phantom FGR2 der 56 und 92Sqn.

© Wilfried Zetsche 207/30-SM Mirage F.1C-200 EC 2/30, Gütersloh (Mai 1988) Hier sieht man drei schnittige Mirage F.1C der Escade de Chasse 30 aus Reims in der Reihe der Bold Gaunlet Teilnehmer. Die Franzosen waren seit 1983 mit der F.1 dabei und zwar immer im Wechsel zwischen den Einheiten, so war im Jahr 1984 auch die EC 10 dabei, in anderen Jahren die EC 12. Im Jahr 1987 kehrten die drei Maschinen der EC 30 allerdings vorzeitig nach Frankreich zurück. Eine Formation des Geschwaders war beim Übungsflug in ein französisches Gebirge abgestürzt, alle Piloten kamen dabei ums Leben. Das war Grund genug für den Verband, alle F.1 nach Hause zu rufen und die Übung zu canceln.

Am 17. Mai kam es dann zu einem größeren Zwischenfall. Bei einer der üblichen Großformationen über den Wolken kollidierten zwei Mirage 2000C und eine F-15C. Alle Maschinen konnten sicher in Gütersloh landen, hatten zum Teil aber erhebliche Beschädigungen. Am Folgetag stand der Vorfall sogar in der Lokalpresse. Die drei Maschinen waren einige Tage nicht einsatzfähig und so sandten die Franzosen zwei weitere Mirage 2000C, diesmal von EC 1/2 nach Gütersloh. Die Bitburger nahmen das zum Anlass, gleich vier weitere F-15C Eagle nach Gütersloh zu schicken. Nie vorher und freilich nie wieder danach hat man in Gütersloh zehn F-15 in einer Reihe parken sehen! Bei einem Bestand von seinerzeit drei Staffeln á 26 Maschinen im 36TFW war das immerhin mehr als ein Achtel der Flotte des Bitburger Wing auf Gütersloher Boden!

Noch eine weitere Besonderheit hatte das Jahr 1988 zu bieten. Erstmals flog eine Boeing 737-200 von „Britannia Airways“ einige Einsätze mit und gab damit dem Manöver erstmals die richtige Note!

Bold Gauntlet

Ab dem Jahr 1989 bekam die Korridor-Übung im Hinblick auf Glasnost und der Entspannung zwischen NATO und Warschauer Pakt einen neuen Namen. So fand „Bold Gauntlet“ 1989 vom 19. bis 24. Mai statt und war damit um zwei Tage kürzer als in den vorangegangenen Jahren. Dieses lag hauptsächlich an dem deutschen Feiertag am Donnerstag der Woche! Wie sich die Zeiten ändern: Ende der achtziger Jahre war Übungsflugbetrieb an einem Feiertag scheinbar nicht mehr gewünscht! Als Teilnehmer standen sechs Mirage 2000C und B der ECT 2/2 und EC 3/2, sechs F-15C und D der 36TFW, zwei Phantom FGR2 der 19Sqn und vier der 56Sqn, drei Mirage F.1C der EC 1/12 und 2/12 und die normalen Transporter auf der Flightline. Zusätzlich nahm an einem Tag sogar ein C-141B Starlifter der 437MAW teil, ein echtes Unikum bei „Bold Encounter“.

© Marcus Herbote Exercise Bold Gauntlet, Gütersloh (Mai 1989) Die "Bold Gauntlet"-Flightline im Jahr 1989. Man erkennt von links nach rechts: drei Hawk T1, sechs Phantom FGR2, sechs Mirage 2000, drei Mirage F.1 (schwer zu erkennen), drei F-16 und sechs F-15. Die Transporter standen für gewöhnlich noch weiter rechts.

© David Phillips Bold Gauntlet 1989, Gütersloh (23.05.1989) Von links nach rechts aufgereiht stehen hier: Zwei MS.760 Paris (N57/41-AC und N70/65-LF), eine 10Sqn VC-10 (XR807), eine 115Sqn Andover E3 (XS603), eine BAC 1-11 von "Ryanair", eine ET61 C-160F, eine USAF C-130H, eine Hercules C3 sowie sechs F-15C/D. Die Mirage 2000, Mirage F1 sowie Phantom und Hawk stehen weiter links! Die vorletzte Mai-Übung wurde durch eine große Anzahl Maschinen, besonders gutes Wetter und starken Ostwind zu einer der besten Korridor-Übungen überhaupt!

Im November 1989 kam es dann bekanntermaßen zur Öffnung der deutsch-deutschen Grenze und beide deutschen Staaten sollten im folgenden Jahr wiedervereinigt werden. Das Ende der jährlichen Mai-Übung war absehbar, „Bold Gauntlet“ 1990 wurde damit zur letzten Übung für den Berlin Corridor Contingency Plan! Erstmals kamen die Teilnehmer nicht an einem Freitag, sondern erst an einem Montag. Die letzte Übung lief vom 14. bis 18. Mai und es nahmen sechs Mirage 2000C und B, der EC 2, sechs Phantom der 92 und 56Sqn, sechs F-15C der 36TFW, 22TFS, drei Mirage F.1C der EC 1/30, drei F-16C der 50TFW, 10TFS und drei Hawk T1 der 1TWU teil. Insgesamt waren nicht weniger als 27 Fighter vertreten und machten diese Übung zu einer der jemals größten, wenn man die Anzahl der Maschinen zählt. Dazu kamen die drei gewohnten Transporter, die Transall war diesmal von der ET 64 und nicht wie üblich von der ET 61. Eine vierte Hawk kam ab Mittwoch dazu.

© Wilfried Zetsche 84-264 und 84-288/HR F-16C 50TFW, Gütersloh (Mai 1990) Kurz vor einem neuen Einsatz bei der Korridor-Übung stehen diese beiden F-16C auf der 27 in Gütersloh. Auch bei schlechtem Wetter wurden die Missionen für gewöhnlich geflogen.

______________________________________________________

Das Ende der Übungen

Als die letzte Maschine der Übungsteilnehmer die Basis Gütersloh am 18. Mai 1990 verlassen hatte, sah die große Gütersloher Flightline ungewöhnlich leer aus. Ganz besonders galt dies mit der sicheren Gewissheit, nie wieder 30 Fighter und Transporter in einer Reihe aufgereiht zu sehen. Drei Jahre nach dem Ende der letzten Korridor-Übung verschwand auch Gütersloh als RAF-Station und Kampfflugzeugstandort von der Bildfläche.

30 Jahre übten die Westalliierten das Eskortieren von Linienmaschinen durch den russischen Sektor mit dem Ziel, die Berlin-Korridore offen zu halten, notfalls auch mit Waffengewalt.

Und 30 Jahre hatte es gedauert, bis die Geschichte und das Ende des kalten Krieges die Berlin Corridor Contingency Plans und jede weitere Übung für alle Zeiten überflüssig machte.

© Meinolf Kraßort XV488/O Phantom FGR2 92Sqn, Gütersloh (Mai 1990) In einer Gischtwolke verschwinden zwei Phantom, um einen letzten Einsatz bei "Bold Gauntlet 1990" zu fliegen. Für die Phantom kam dann kurze Zeit später auch das Aus bei der RAF Germany.

______________________________________________________

Teilnehmererlebnisse

Dave McIntyre | Bold Encounter 1984

Dave McIntyre war mit einer Hawk T1 Teilnehmer an der Übung.

"...During the Cold War, NATO was worried about how they would react if the Warsaw Pact tried to close the three air corridors to West Berlin, and every so often they would test their response to various scenarios by establishing a practice air corridor over Oldenburg near the Dutch border, well to the west of Berlin. A single transport aircraft would be ‘sent’ along the corridor to see whether it would be intercepted, buzzed or shot down by the ‘interceptors’ who were pre-briefed on what their particular mission was that day. The defending fighters were briefed to hold off unless, or until, things got nasty.

The exercise usually involved a large number of aircraft from the French, US and Royal Air Forces gathering at RAF Gutersloh, and on this occasion, the transports were a single French Transall, and a Hercules each from the USAF and the RAF. The defenders were 8 FAF Mirage IIIs, four USAF F-15s and four RAF Phantoms. The ‘bad guys simulating East German fighters were two FAF Mirage F1s, two USAF F16s and two Brawdy Hawks.

Not surprisingly, with a slow-moving transport aircraft, and up to 22 jets milling about in the same bit of sky, the briefs and de-briefs took quite a while. The first sortie was a bit of a shake down and didn’t involve the outbreak of hostilities, so the Hawk drivers were a bit miffed when the USAF Colonel stood up and threatened to send us home if we didn’t obey the rules. He didn’t appreciate being reminded that the rules also applied to him, and so began a certain amount of international rivalry.

As it happened, the next day, we were briefed to mount an aggressive, but simulated attack on the Herc, in the hope that one of the defenders would open fire too soon, and risk initiating WW3. It may not surprise you to know that an American voice announced that he had blinked and opened fire. As we broke off our attack, and dived away, an F15 appeared right in front of me, and as the rules said that all bets were off if the ‘War’ had started, I ‘shot’ him down. It happened to be the Colonel, so he was a bit quiet at the next de-brief, and we had no more trouble after that!

The next few days passed uneventfully, and the recoveries to Gutersloh were usually helped by the Mirage IIIs getting low on fuel first, and setting off for home early. However, on the last day there were some old scores to be settled, and I’ll never forget the sight of the lonely transport quietly trundling along all on its own, while a huge dogfight raged on in the skies behind it!.."

Kommentar hinterlassen

blog comments powered by Disqus
Retrieved from http://sg-etuo.de/Squadrons/CorridorCP
Page last modified on 18.11.2016, 23:06