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Squadron History - No. 19.Squadron

von M. Herbote

© Erich Westersötebier XN774/C Lightning F2 19Sqn, Gütersloh (ca. 1967)

Die ersten Jahre

Die No.19.Squadron der Royal Air Force wurde am 1. September 1915 in Castle Bromwich aus einem Teil der 5. Reserve Squadron gebildet.
Die Staffel verlegte ein Jahr später nach Frankreich, um mit ihren BE.12 Patrouillen zu fliegen. Ab 1918 flog man die Sopwith Dolphin in der Bomber-Begleit-Rolle. Aus dieser Zeit rührt auch das Staffelzeichen, ein brauner Delfin. Er sollte in den Jahren zu einem festen Markenzeichen der 19.Sqn. werden und immer an die Zeit erinnern, als man noch die Sopwith Dophin flog.

Nach dem 1. Weltkrieg kam es zur Auflösung der 19.Sqn., am 1. April 1924 entstand sie in Duxford neu. Die Einheit flog in der Folge die Siskin, die Bulldog und Gauntlet.
Erst im August 1938 erreichten die ersten Supermarine Spitfire die Staffel. Als Teil der 12.Group des Fighter Command nahm der Verband an der Battle of Britain teil. Weitere Versionen der Spitfire folgten und ab 1944 verwendete die 19.Sqn. die North American Mustang, ab 1946 erneut die Spitfire.
Im Jahr 1951 begann schließlich das Jet-Zeitalter bei den „Dolphins“; die ersten Gloster Meteor kamen zur 19.Sqn. Diese wurden ab 1956 durch die Hawker Hunter ersetzt. Als die ersten Lightning die Squadron erreichten, lag sie in Leconfield. Die erste Maschine war eine zweisitzige T.4, die am 29. Oktober 1962 zum Verband dam, die ersten F.2 landeten im Januar 1963 bei der Staffel. Im Sommer 1963 erreichte die 19.Sqn. den Status „operational“.

Im Januar 1964 flog der Verband eine Demonstration für die in der Lightning interessierten Saudis, die 19.Sqn. verlegte mit drei F.2 (XN730/B, XN778/F und XN781/J) vom jährlichen Armament Practice Camp in Akrotiri über Bahrain nach Saudi Arabien. Aus Geheimhaltungsgründen wurden sämtliche Markierungen von den Maschinen entfernt. Die erfolgreiche Tour führte schließlich zu einem Kauf des Musters durch Saudi Arabien.

Später am 27. April kam eine F.2 der 19.Sqn. mangels Treibstoff wegen mehrerer missglückter Auftankversuche in der Luft bei der Landung auf dem stillgelegten Flugplatz in Hutton Cranswick zu Bruch. Der Pilot der Maschine XN785/C kam dabei tragischerweise ums Leben.

Im Juni 1965 flog die Squadron mit mehreren Maschinen nach Luqa/Malta, um an einer großen Luftverteidigungsübung teilzunehmen. Als britische Kolonie gehörte die Insel zum Verteidigungsbereich der Briten. Die damals neuen Victor K.1 über-nahmen die Luftbetankung der 19.Sqn.
Ab dem Frühjahr 1964 operierten die Lightnings der Staffel in der Vier-Kanonen- Konfiguration, somit besaßen sie eine begrenzte Bodenangriffsfähigkeit. Dies geschah auch im Hinblick auf eine geplante Verlegung des Leconfield Wing nach Deutschland.

Verlegung nach Gütersloh

Zur Verstärkung der britischen Streitkräfte in der Bundesrepublik Deutschland verlegte die No. 19(Fighter).Sqn. am 23.September 1965 schließlich von der RAF-Station Leconfield nach RAF Gütersloh. An diesem Tag flog die Staffel mit ihren elf Lightning F.2 nach Ostwestfalen, zusätzlich kam ein zweisitziger Lightning-T.4-Trainer sowie eine Hunter T.7 mit der 19.Sqn. nach Deutschland.
Die Hunter unterstützte die T.4 bei der Schulung der Piloten und diente für etwaige Verbindungsflüge der Entlastung der wertvolleren Lightning T.4. Alle Maschinen trugen damals noch das gebräuchliche silberne Natural-Metal-Finish. Die beiden Zweisitzer waren außerdem mit dem üblichen gelben Band der RAF-Trainer bemalt, welches dann aber noch im selben Jahr verschwand.
Gleich am selben Tag starteten noch einige Piloten mit ihren Lightnings, um den Gütersloher Soldaten und auch der Bevölkerung während einiger Tiefflüge voller Stolz ihre Überschalljets zu zeigen.

Die 19.Sqn. begann am 29. September 1965 mit ihren täglichen Trainingsflügen, auch um das GCA-System sowie die Flugzeugfangeinrichtungen zu testen. Bereits am 6. Oktober wurde sie als einsatzbereit erklärt.
Kaum in Gütersloh angekommen, sollte die 19.Sqn. ab 18. Oktober zwei Maschinen der sogenannten „Battle Flight“ unterstellen und galt somit als „combat ready“. Zwei Lightnings der Squadron standen somit am Ostende des Flugplatzes bereit, um innerhalb kürzester Zeit zu starten und etwaige Luftraumverletzer an der innerdeutschen Grenze abzufangen.
Um die Maschinen von den Elementen unabhängiger zu machen und sie schnell wieder einsatzbereit zu haben, entstand ein doppelter an beiden Seiten offener Flugzeughangar. In diesem sollten zwei Lightning F.2 im Auftrag des Supreme Allied Commander in Europe 365 Tage im Jahr bereit stehen. Zusammen mit den belgischen F-104G Starfighter vom Fliegerhorst Beauvechain waren die Lightnings für den norddeutschen Luftraum zuständig.

Bereits wenige Tage später verlegten vom 21. bis 22. Oktober vier Lightning F.2 nach Fassberg an die innerdeutsche Grenze, um während der Übung „Hot Rod“ in 36 Stunden jeweils sechs Missionen pro Maschine und Pilot zu fliegen.
Im Ernstfall hätten die Gütersloher Lightnings unter anderem die Aufgabe gehabt, die drei Berliner Luftkorridore frei zu halten, durch diese Übung sollte das rechtzeitig geübt werden.

Die erste Lightning F.2A XN781/B lief der 19.Sqn. im Februar 1968 zu. In den folgenden Wochen und Monaten kamen in unregelmäßigen Abständen weitere F.2A zur Einheit. Da es praktisch keine Ersatzmaschinen für die beiden Staffeln gab, war es gar nicht so einfach, während der Umrüstung bei BAC die volle Staffelstärke von 13 Lightnings für die beiden Frontstaffeln bereit zu halten. Abgeschlossen war die Umrüstung für die 19.Sqn. im Februar 1970, als die volle Sollstärke von 13 F.2A, zwei F.2 und einer T.4 erreicht wurde. Die letzten Maschinen verließen aber erst im Juli 1970 die Hangars in Warton.

Im Juli 1971 erreichte die Staffel einen Klarstand von 100 Prozent. Aus diesem Anlass flog die 19.Sqn. am 13. Juli eine spektakuläre 16er Formation mit 13 F.2A, den beiden F.2 und ihrer T.4. Dieses Ereignis brachte selbst die letzten Kritiker zum Schweigen, die meinten, die Lightning hätte einen schlechten Klarstand.

© E. Westersoetebier unid. Lightning F2/F2A 19Sqn, Gütersloh (Juli 1971) - Nachdem die 19Sqn eine große 16er Formation geflogen hatte, verließ eine F2 sowie die T4 der Staffel die Formation. Der Rest bildete diese "19" am Himmel über Gütersloh. Der aufmerksame Beobachter erkennt die einzige F2 im unteren Teil der "Neun".

© Axel Saal XN771/P Lightning F2A 19Sqn, Gütersloh (13.07.1971)

Im Mai 1972 bekam die F.2A XN786/M als erste den neuen olivgrünen Anstrich, der die Lightnings bei ihren Tiefflügen westlich der ADIZ und nördlich des Sauerlands weniger sichtbar über der oftmals bewaldeten Landschaft Nord- und Mittel-deutschlands machte.

Von kleineren Unfällen waren auch die Lightnings der 19.Sqn. nicht ganz sicher, wie die nächsten Jahre zeigten. Opfer eines schweren Blitztreffers wurde die F.2A XN726/D während eines Gewitters am 2. Juni 1972. Mit einer Cat. 4-Beschädigung ging sie nach Warton zur Instandsetzung und kam erst im Juni 1974 nach Gütersloh zurück. Die beiden als „Squadron Hack´s“ fliegenden F.2 XN779/X und XN794/W wurden ab August 1973 außer Dienst gestellt, bereits am 29. September des Vorjahres war der Staffel als Ersatz eine zweite T.4 in Form der XM973/V zugelaufen.

© E. Westersoetebier XN786/M Lightning F2A 19Sqn, Gütersloh (August 1974) This Lightning F2A performs a spectacular and very low approach at Gütersloh.

Ein bekanntes Problem der Lightning war die Gefahr eines Feuers beim Anlassen der Turbinen oder während eines Probelaufs. Diese immer wieder auftretenden Schwierigkeiten konnten nie ganz verhindert werden.
Im Juni 1975 wurde dann die T.4 XM991/T der Squadron beim Anlassen ihrer Triebwerke mit Hilfe des AVPIN-Starters stark beschädigt, als die Maschine Feuer fing. Die Lightning ist nach dem Unfall nicht wieder geflogen.

Am 4. August 1976 explodierte schließlich in der F.2A XN786/M von Flying Officer Rowley kurz nach dem Start ein Teil des Rumpfes, ein Feuer brach aus und beschädigte den Rumpf der Maschine und das obere Triebwerk zusätzlich. Rowley katapultierte sich aber nicht mit dem Schleudersitz aus der Maschine, da er sich über bewohntem Gebiet befand. Der Pilot brachte die Lightning mit schwersten Beschädigungen nach Gütersloh zurück. In Anerkennung dieser Leistung wurde Rowley am 19. August das „Queens Commendation for valuable service in the air“ verliehen. Die Maschine musste aber völlig abgeschrieben werden.

Abschied von RAF Gütersloh

Am 31. Dezember 1976 löste die 19(F).Sqn. in Gütersloh offiziell auf und entstand am 03.01.1977 als Phantom-Einheit in Wildenrath neu. Die Lightning F.2A mit den wenigsten Flugstunden gingen in der Folge an die 92.Sqn., die sie für weitere drei Monate einsetzte.

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