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Squadron History - No. 92.Squadron

von M. Herbote

© Erich Westersötebier XN731/M Lightning F2 92Sqn, Gütersloh (ca. 1968) Still wearing the arrow Squadron Markings on the nose roundel, "M" of 92Sqn taxies to the runway as part of the RAF Germany Battle Flight.

Die ersten Jahre

Die 92.Squadron der Royal Air Force wurde am 1. September 1917 als Jagdstaffel in London-Colney ins Leben gerufen. Bereits im Juli 1918 verlegte sie nach Frankreich, um an der Westfront in der Jagd- und Bodenangriffsrolle aktiv in das Geschehen des 1. Weltkriegs einzugreifen.
Nach Ende des Krieges löste die 92.Sqn. am 7. August 1919 auf und erst zwanzig Jahre später, am 1. Oktober 1939, formierte die Einheit mit der Bristol Blenheim in Tangmere neu.
Ab März 1940 flog man die Spitfire und die Staffel nahm an Patrouillen über Frankreich teil. Nach einer Stippvisite in Süd-Wales kämpfte die 92.Sqn. aktiv in der Battle of Britain im Jahr 1941. Dies hat sie mit ihrer „Schwesterstaffel“ in Gütersloh, der 19.Sqn., gemein.
Im Februar 1942 verlegte die Staffel in den mittleren Osten, später nach Tunesien und dann weiter nach Malta. Nach einer Zeit auf Sizilien und in Italien löste sie am 30. Dezember 1946 in Österreich auf.
Aus ihrer Vergangenheit rührt auch das Staffelzeichen der 92.Sqn. her: Das Ahornblatt erinnert an die Zeit als kanadische Staffel im 1. Weltkrieg, die Kobra zeigt die Verbindungen zu Indien im 2. Weltkrieg. Seitdem trägt die 92.Sqn. den Beinahmen „East India Squadron“.

Nach den Kriegen entstand die Staffel aus der Umbenennung der 91.Sqn. in Acklington neu und erhielt die Gloster Meteor, um diese in der Luftverteidigung einzusetzen Ab 1954 ersetzte man den zweistrahligen Jäger der ersten Generation durch die North American Sabre und zwei Jahre später durch die Hawker Hunter. Das Mach-2-Zeitalter begann für die 92.Sqn. im April 1963, als sie in Leconfield auf die neue Lightning F.2 umrüstete. Zusammen mit der 19.Sqn. nahm der Verband die Luftverteidigung von Mittelengland war.
Nachdem die Staffel Anfang 1963 in Middleton St.George umgeschult wurde, aber bis zum Frühling des Jahres noch ihre Hunter F.6 behielt, galt sie im Juni 1963 schließlich mit der Lightning als einsatzbereit.

Im Jahr 1964 stellte die Squadron das offizielle Kunstflugteam der Royal Air Force und wurde mit den blauen Leitwerken ihrer Lightnings im ganzen Land berühmt. Damit trat sie die Nachfolge der bekannten „Firebirds“ an.
Die Maschinen der 92(East India).Sqn. trugen ihr berühmtes blaues Leitwerk von 1963 bis 1971. Neben dem typischen Staffelwappen am Leitwerk war am Bug zusätzlich ein in den rot-gelben Staffelfarben gehaltener Pfeil beiderseits der Kokarde angebracht. Dieser wich im Jahr 1968 einem Balken aus großen rot-gelben Karos. Kurze Zeit später wurde ein verkleinerter Balken angebracht.

Ankunft in Gütersloh

Am 29. Dezember 1965 verließ die 92. Squadron RAF Leconfield und verlegte zur Unterstützung der 2.ATAF nach RAF Geilenkirchen in Deutschland. Wenige Tage nach ihrer Ankunft stellte die Staffel zwei Maschinen zur Battle Flight ab. Damit löste sie schließlich die Javelin FAW.9 der 5. und 11.Sqn, ab, die zurück nach England verlegten. In der Anfangszeit operierte die 92.Sqn. auch häufig mit allen vier 30mm Kanonen, um die Bodenangriffsrolle zu trainieren, neben der Luftverteidigung die zweite Aufgabe der Squadron.

Am 22. Januar 1968 zog die Einheit schließlich zur RAF-Station Gütersloh, dies geschah hauptsächlich aus logistischen Gründen und weil sich die beiden Staffeln die „Battle Flight“ teilen konnten und keine Notwendigkeit mehr bestand, zwei Alarmrotten in Bereitschaft zu halten.

Am 26. Juni 1968 bekam die 92.Sqn. ihre erste neue Lightning F.2A zugewiesen. Es war die XN773/E, die direkt aus Warton überführt wurde. Die Umstellung auf die modifizierte Version dauerte bis zum Juli 1970.

Ein Totalverlust war im Jahr 1971 bei der 92.Sqn., zu beklagen. Die F.2A mit der Seriennummer XN772/N geriet am 28.01.71 in 36.000 Fuß Höhe ins Trudeln und konnte vom Piloten nicht mehr unter Kontrolle gebracht werden. Flying Officer Hitchcock verließ dann die Maschine per Schleudersitz und die Lightning stürzte in der Nähe von Diepholz ab.

Am 23. September 1971 kam es zu einem weiteren Zwischenfall. Das linke Hauptfahrwerk der F.2A XN730/J hatte sich wegen eines Bolzenbruchs nach dem Ausfahren nicht völlig gedreht und konnte somit nicht in seine Endposition gebracht werden. Man stellte dem Pilot Flight Lieutenant Baker frei, ob er die Lightning verlassen und die Maschine in den Dümmer See nördlich von Osnabrück stürzen lassen wollte. Dieser entschied sich gegen einen Ausstieg und brachte den Jet mit relativ geringen Schäden auf der Gütersloher Landebahn herunter. Das Hauptrad knickte ab, das Flugzeug kam nach einer Rutschpartie von 600 Metern unter Verwendung des Bremsschirms zum Stehen. Die XN730 erlitt nur geringe Beschädigungen und war bereits ein Jahr später wieder im Einsatz!

© Günter Grondstein XN732/R plus sechs unid. Lightning F2A 92Sqn, Gütersloh (Juli 1972) - "Scramble, Scramble!"

Ab dem Jahr 1972 erhielten dann alle RAF Germany Lightnings einen olivgrünen Tarnanstich, der ihrer neuen Tiefflugrolle besser gerecht wurde. Die letzte Maschine der 92.Sqn. mit einem blauen Leitwerk war die XN791/D, nach ihrer Umlackierung war somit das letzte Überbleibsel der vergleichsweise bunten sechziger Jahre verschwunden. Überhaupt konnte die 92.Sqn. den ab Mitte der sechziger Jahre strengen Bemalungsvorschriften des RAF Fighter Command nur entgehen, da sie ab 1965 zur RAF Germany gehörte und dort die Vorschriften weniger restriktiv waren.

Am 29. Juni 1972 verlor der Commanding Officier der Squadron während eines Fluges in der F.2A XN793/A das Cockpitdach, konnte aber die Maschine trotz der zusätzlichen Frischluft sicher landen. Das besondere an dieser Lightning war jedoch, dass sie als einzige Maschine neuerdings wieder mit einem blauen Leitwerk versehen war. Dieses hatte sie als Andenken an die Zeiten erhalten, als die komplette 92.Sqn. mit blauen Leitwerken durch die Luft flog.

Ab September 1973 zog die 92.Sqn. dann die beiden als „Squadron Hack´s“ fliegenden F.2 XN768/S und XN769/Z aus dem Dienst. Bereits im Februar 1972 hatte die Staffel als Ausgleich eine zweite T.4 in Form der XM968/Q erhalten.

Eine weitere Lightning der Staffel musste im Laufe der Zeit abgeschrieben werden. Die F.2A XN780/K wurde am 29. September 1975 nach einem Triebwerksfeuer am Boden stark beschädigt und schließlich aus dem aktiven Dienst genommen.

© A. Saal XN732/R Lightning F2A92 Sqdn - Alarmstart! Eine F2A der Battle Flight geht an den Start und ist in weniger als drei Minuten in der Luft! Im Hintergrund sieht man das "Zirkuszelt" der 18Sqdn sowie einen Wessex HC2 der Staffel, Gütersloh (Juni 1970)

Im letzten Einsatzjahr trugen die Lightnings der 92.Sqn. zusätzlich zwei Diamanten unter dem Staffelwappen am Leitwerk. Die Maschine des Staffelkapitäns hatte darüber hinaus noch eine kleine goldene Krone über dem Wappen sowie die Worte „KING COBRA“ zu beiden Seiten des weißen Kreises.

Kurz vor Außerdienststellung der Lightning verlor die 92.Sqn. eine ihrer beiden T.4. Dieses passierte nur fünf Wochen vor dem endgültigen Ende des Typs bei der „East India Squadron“ am 24.02.1977. Die Maschine mit der Seriennummer XM968/Q stürzte während des Landeanflugs auf Gütersloh ab, aber glücklicherweise konnten sich beide Piloten mit dem Schleudersitz retten.

© Erich Westersötebier XM968/Q Lightning T4 92Sqn, Gütersloh (24.2.1977) Not much was left of Lightning T.Mk 4 XM968/Q after it crashed near Gütersloh. This was one of two attritions of the Gütersloh Lightning Fleet, during its time in Eastwestphalia and the only crash of a Lightning near Gütersloh. (For further photos of XM968 after it crashed take a look here)

Abschied aus Gütersloh

Zum letzten Erinnerungsfoto wurden am 31. März 1977 vierzehn Lightning F.2A und eine T.4 auf der Staffel-Flightline in Gütersloh in einer Reihe aufgestellt. Die Maschinen standen in einer bestimmten Reihenfolge, so dass die Leitwerk-Codes der Jets die Worte „THE KINGCOBRAS XV“ bildeten. Fünf Lightnings flogen zum Abschluss eine Formation über den Flugplatz, dann war die Abschiedszeremonie beendet.

via Ed Durham Pilots of No92 Sqn in 1977, Gütersloh (March 1977) - Wing Commander Ed Durham and his "King Cobra" pilots.

© E. Westersoetebier 3 unbek. Lightning F2 92Sqn, Gütersloh (März 1977) - Drei unbekannte Lightning F2A starten in Folge. Der Nachbrenner wurde dabei gewöhnlich immer verwendet. Er war stufenlos regelbar und wurde meistens sparsam eingesetzt.

Nach der Auflösung der 92.Sqn. blieben diverse Lightnings als sogenannte Decoys noch einige Zeit in Gütersloh, weitere wurden aber auch nach Laarbruch, Brüggen und Wildenrath gebracht, andere gingen später an Museen im In- und Ausland. Selbst im Jahr 1982 konnte man in Gütersloh an manchen Tagen noch die F.2A XN792/M sehen, wie sie der Rangier-Ausbildung von Schlepper-Bodenpersonal diente.

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